Auf dem Nachttisch



Auf dem Nachttisch

Brom, Bromural, Pantopon, Bromopon, Pantoral ... es geht nichts über ein gutes Buch. Einschlafen –

Die Räderchen laufen noch, bei gehemmtem Antrieb, es grübelt, selbst der Pyjama ist noch wach und will gar nicht still liegen. »Eine schreckliche Angewohnheit!« sagte meine gute Großmama. »Im Bett zu lesen! Ein junger Mann legt sich ins Bett und schläft!« Die gute Großmama; sie übertrieb so gern. Gibt es etwas Schöneres, als im Bett zu lesen? Auf der Kurve heult eine verspätete Elektrische; Stimmen tönen herauf; ein Auto pustet; einer geht auf der Treppe – und du liegst in der Kajüte deines Betts, niemand kann dir etwas tun, und du blätterst und liest, Bücher rutschen über die schräge Decke auf den Boden, du hörst es nicht, du legst dich von einer Seite auf die andre Seite, schade, dass man nicht mit den Füßen lesen kann, es wäre eine große Erleichterung ... Lesen. Lesen.

Kurt Tucholsky - 1927

------------------------------------

Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten
-----------------------

Katherine Pancol: Les yeux jaunes des crocodiles

------------------------
Gratis bloggen bei
myblog.de